Campgeschichte

Die Göttin Brigid

Brigid ist die uralte dreifache Göttin der Kelten; sie verkörpert die Jungfrau, die Mutter und die Alte. Da hinter ihr die große Göttin steht, geht ihre Gestalt auf die Frühgeschichte der Menschheit zurück. Brigid wurde in England auch als Brigantia, in Schottland als Bride und im keltischen Frankreich als Brigandu verehrt. Sie gilt als Tochter des Gottes Dagda, und ebenso wie dieser soll sie stets einen Kessel bei sich getragen haben. Brigid ist die Göttin der Inspiration, der Heilkraft und der Schmiedekunst. Sie ist die Patronin der Hebammen, die Beschützerin des neugeborenen Lebens und zugleich die Schutzgöttin der Gebärenden. Als Schmiedegöttin steht sie dem Feuer nahe, das ihr Symbol ist. Ihr Name bedeutet „leuchtender Pfeil“ oder „die Strahlende“. Als Göttin der Inspiration ist sie die Hüterin der Heilquellen und wird von Musikern, Künstlern und kunstfertigen Handwerkern angerufen. Sie ist die Schutzpatronin der grünen Insel und in Irland so populär, dass mehr Brunnen und Quellen nach ihr benannt sind als nach dem heiligen Patrick.

Brigid war eine mächtige Göttin, und der Glaube an sie war tief in der Seele des Volkes verwurzelt. Wohl aus diesem Grund versuchte die Kirche erst gar nicht, ihre Anbetung zu verbieten, sondern „ersetzte“ sie durch eine christliche Heilige. Die „historische“ St. Bridget soll von 453 bis 523 n.Chr. gelebt haben und die Tochter eines Druiden gewesen sein. Der Patriarch St. Patrick soll sie höchstpersönlich getauft haben. St. Bridget wird manchmal mit der Mutter Gottes assoziiert und wurde auch als Hebamme des göttlichen Kindes verstanden. Nachdem sie das Ordensgelübde abgelegt hatte, gründete sie der Legende nach mehrere Klöster. Dabei fielen ihr für eine Frau der damaligen Zeit einige ungewöhnliche Rechte und Aufgaben zu. So soll St. Bridget die Befugnis besessen haben, die Bischöfe Irlands einzusetzen, von denen sie bezeichnenderweise verlangte, dass sie ausübende Goldschmiede sein müssten. St. Bridget übernahm auch die übrigen Aufgaben der Göttin Brigid und wurde an ihrer Stelle von Hebammen und Gebärenden, Künstlern und Heilern angerufen. Auch eine Reihe ihrer bemerkenswerten Eigenschaften hat St. Bridget von ihrem heidnischen alter ego angenommen. So heißt es von ihr, dass sie das Pfeifen erfand, als sie eines Nachts ihre Freunde rufen wollte. Der Klagegesang der Frauen, die einen geliebten Menschen verloren haben, „Keening“ genannt, soll ebenfalls auf sie zurückgehen. Nicht zuletzt soll sie auch die Fähigkeit besessen haben, Essen und Trinken vervielfachen zu können und ihr Badewasser verwandelte sich in Bier.
Der uralte Brigid-Kult blieb an ihrem Heiligtum in Kildare fast bis in die Neuzeit erhalten. Dieses Heiligtum war von einer Hecke umgeben, die kein Mann passieren durfte. Hier bewachten 19 Jungfrauen das nie verlöschende Feuer, das auf wundersame Weise an jedem 20. Tag eines Mondzyklus von der Göttin selbst versorgt wurde. Noch bis ins 18. Jahrhundert soll dazu das Lied erklungen sein: „Brigid, du ausgezeichnete Frau, jähe Flamme, möge uns die helle, feurige Sonne zum ewigen Königreich bringen.“ Und das, obgleich Brigid schon seit mehr als einem Jahrtausend nicht mehr als Göttin galt und ihre Gefolgschaft nicht etwa aus heidnischen Priesterinnen, sondern aus frommen Nonnen bestand.

Brigid ist eine Göttin, zu der sich heute viele Heiden und Hexen hingezogen fühlen. Bis in unsere Zeit hinein sind ihre Macht und Kraft spürbar und es scheint, als strecke sie von selbst die Hände nach den Menschen aus, die suchen. Zwar ist sie als weiße Göttin bekannt, sie hat aber auch andere Gesichter. Brigid ist so eine vielfältige Göttin, dass man sich eigentlich in jeder Angelegenheit an sie wenden kann. Besonders wenn Du nach Inspiration suchst, kann Brigid Dich weit bringen.

Und noch ein paar Buchempfehlungen zu Brigid:

„Brigid – meeting the Celtic Goddess of Poerty, Forge, and Healing Well“ von Morgan Daimler
Pearl sagt: Das Büchlein beschäftigt sich vor allem mit der keltischen Göttin Brigid und zeigt sie in vielen Facetten. Es enthält viele Chants, Invocations und Gebete, die zum Teil historisch sind. Dieses dünne Büchlein ist sehr interessant und empfehlenswert. In englischer Sprache.

„Brigid – lebe die Weisheit einer Heiligen, Göttin und Druidin“ von Jennie Appel und Dirk Grosser
Pearl sagt: Dieses Buch ist sehr fundiert recherchiert und trägt vieles zusammen, was über die Göttin und Heilige Brigid im Umlauf ist. An einigen Stellen entsteht auch der Eindruck einer persönlichen Verbindung – leider nicht an sehr vielen. Zum Einstieg aber gar nicht schlecht für alle, die sich ein Buch in englischer Sprache nicht zutrauen.

„Tending Brigids Flame“ von Lunaea Weatherstone
Pearl sagt: Dieses Werk ist dagegen mein absoluter Favorit. Hier ist beim Lesen einfach spürbar, dass eine echte, tiefe Verbindung zu Brigid besteht und dass alles, was auf diesen Seiten geschreiben steht, wirklich und wahrhaftig von Brigid kommt. Außerdem finden sich viele tolle praxisnahe Anregungen, sowohl für Rituale als auch für kreatives Schaffen. Brigid eben. Wer sich ein Buch in englischer Sprache zutraut und von Brigid lesen möchte, sollte hier unbedingt zugreifen.

„Brigid – History, Mystery, and Magick of the Celtic Goddess“ von Courtney Weber
Pearl sagt: Das Buch ist ebenfalls sehr empfehlenswert, wenn auch etwas weniger umfangreich. Auch die Priesterin und Hexe Courtney Weber besitzt ganz offensichtlich eine lebendige spirituelle Verbindung zu Brigid, was ihr Buch interessant und lesenswert macht.

„Brigit: Sun of Womanhood“ Herausgegeben von Patricia Monaghan and Michael McDermott
Susanne sagt: Das Buch deckt den gesamten Zeitraum von vorkeltischer Zeit über
die keltische Göttin und die christliche Heilige (diese Beiden lassen sich nicht ganz trennen) bis ins 21. Jahrhundert ab.
Es enthält Gedichte, Essays, Ausschnitte aus Romanen und Fotos.
Man erfährt auch etwas über die Autoren und Autorinnen und deren Verhältnis zu Brigid.
Ich lese es jedes Jahr wieder und es führt mich tiefer hinein.